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Männergesellschaft
Stadtgasse

Ersterwähnung: 1900 | Fahne von 1900

Fahne MG Stadtgasse

Am 1. Juli 1900 trafen sich in der Gastwirtschaft Adolf Kramer Bürger der Stadtgasse, der Untergasse und vom Nonnenberg, um die Männergesellschaft „Stadtgasse und Nebenstraßen“ zu gründen. In der heute leider geschlossenen Gastwirtschaft im Haus Nummer 35 wurde Carl Vogt zum Versammlungsleiter gewählt. In kurzen Worten schilderte er die Gründe für die Abtrennung von der bestehenden Männergesellschaft „Oberstadt“. Auch die Lokalzeitung „Hinterländer Anzeiger“ hatte auf die bevorstehende Neugründung hingewiesen.

Zu den ersten Führern für das bevorstehende Grenzgangsfest wählte die Versammlung Georg Wehn und Wilhelm Piepenbring. Als Ersatzmann wurde Karl Einolf bestimmt – eine Position, die heute nicht mehr bekannt ist. In Personalunion übernahm Hermann Jäger das Amt des Rechners und des Schriftführers. Eine weitere wichtige Entscheidung war der Auftrag an den „Gässer“ Carl Vogt, eine Fahne für die neue Männergesellschaft zu malen. Für die Anschaffung wurden reichlich Spenden gesammelt, jedoch durfte die Fahne nicht mehr als 45 Mark kosten.

Zunächst nutzte man gemeinsam mit der Männergesellschaft „Oberstadt“ den Waldplatz am Hasenlauf. Da dieser jedoch oft belegt war, fand man einen Ausweichplatz im Arnoldsgrund. Oberhalb des heutigen Waldplatzes der „Gasse“ versammelte man sich unter einer großen Kastanie, um bei Bier und Fleischwurst aus dem großen Kessel gemütliche Stunden zu verbringen.

Anlässlich des Grenzganges 1950 zimmerte Bürger Wehn, genannt „Leimdiegel“, einen „Sarg“, in dem die Grenzgangsutensilien aufbewahrt werden konnten. Ob es zuvor eine ähnliche Truhe gab, ist unklar. Später beschlossen Fritz Weigl sen. und jun., eine neue, aufwendigere Truhe zu bauen. Nach längerer Arbeit konnte man 1985 die Utensilien in den mit Einlegearbeiten und geschnitzten Grenzgangsmotiven verzierten „Sarg“ umbetten.

Dank einer Spende verfügte die „Gasse“ früh über wertvolle Säbel, die aus Beständen eines ehemaligen deutsch-britischen Regiments stammten. Diese gehören bis heute zum Eigentum der Gesellschaft, ebenso wie ein Reiterdegen mit Handschutz. Da die alte Fahne Abnutzungserscheinungen zeigte, beschloss man, frühzeitig eine neue anzuschaffen. Der Maler Ernst Frankenberg und die Schneidermeisterin Sabine Marinc fertigten diese an. Im August 1986 wurde sie der Öffentlichkeit vorgestellt und 1991 feierlich in den Kreis der anderen Gesellschafts- und Burschenschaftsfahnen aufgenommen. Noch heute gilt sie als eine der schönsten Fahnen des Grenzganges.

Eine besondere Aufgabe stellte sich die „Gasse“ 1984 mit dem Bau eines „Stadtores“ am Eingang zur Stadtgasse. Dieses Tor, historisch als „Niederpforte“ oder „Marienpforte“ bekannt, war 1837 abgetragen worden. Mit Unterstützung einer ortsansässigen Firma und dreier Bürger wurde aus Styropor ein neues Stadttor errichtet – Materialwert über 5000 DM. Malermeister Ernst Frankenberg gestaltete die Oberfläche so, dass sie wie echtes Mauerwerk wirkte. Seit 1984 ziert dieses Tor während des Grenzganges den Eingang zur Gasse.

Die Geschichte des Waldplatzes im Arnoldsgrund, der seit 1973 „Zum alten Bocksborn“ heißt, ist eng mit der Gesellschaft verbunden. Bürger der „Gasse“ retteten damals den „Bocksborn“ vor der Schuttdeponie, nachdem er beim Ausbau der Gasse zerstört worden war. Zur Erinnerung feierte man 1987 die Wiederherstellung des Pflasters in der Gasse und Oberstadt mit einem großen Pflasterfest.

Mitgliederzahlen und Führerposten entwickelten sich stetig. Anfangs gab es zwei Führer, später drei, und 1991 sowie 1998 durfte man bereits vier Führer wählen. Im Jahr 2000 feierte man das hundertjährige Jubiläum mit einer Ausstellung im Schlossmuseum, einer großen Feier auf dem Kirchhof der Stadtkirche und einem ökumenischen Gottesdienst. Am 5. und 6. Juli 2025 beging die Gesellschaft ebenso erfolgreich ihr 125-jähriges Jubiläum am gleichen Ort.

Das Grenzgangsgeschehen im 21. Jahrhundert prägte auch die Wahl von Willi Donges jun. zum Mohr für den Grenzgang 2019. Bereits 1977, 1984 (Bruno Netsch) und 1991 (Earl Kolbe) hatten Bürger der „Gasse“ diese Rolle übernommen. Seit dem 20. Januar 2007 verbindet die Gesellschaft ein starkes Band des Zusammenhalts durch den jährlich stattfindenden „Winterbrott“, eine Idee von Alfred Redante. Zwar ist diese Veranstaltung den Männern vorbehalten, doch bei „Familienbrott“, Feiertagswanderung und weiteren Treffen unterstützen die Frauen mit großer Freude.

Der Vorstand zum Grenzgang 2019 bestand aus: 1. Führer: Lars Kolbe; 2. Führer: Rüdiger Arzt; 3. Führer: Oliver Schneider; 1. Rechner: Uwe Döring; 2. Rechner: Luc Depotter; 1. Schriftführer: Earl Kolbe; 2. Schriftführer: Erich Frankenberg; Ehrenführer: Erich Frankenberg, Herbert Schmurr, Dieter Netsch.

Den Grenzgang 2026 will man nach den traditionellen Regeln im Sinne des bekannten Brauchtums feiern und hofft, mit treuen Mitgliedern und neuen Bürgern die Gemeinschaft in die Zukunft zu führen.

Text: Erich Frankenberg und Michael Marinc

Fahne MG Stadtgasse
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