
Vorfreude und Vorbereitung auf den Grenzgang.
Lange vor dem ersten Böllerschuss beginnt die Vorbereitung. In Gründungsversammlungen formieren sich die Gesellschaften, Versammlungen stärken den Zusammenhalt, und bei Altherrenabenden wird in Erinnerungen geschwelgt. Burschenturniere bringen Wettkampfgeist, während Schleifenüberreichungen Tradition ehren. Die Reiter üben ihr Können, das Musikreiten bringt den ersten Festduft, und schließlich wird die Stadt festlich geschmückt – bereit für den großen Grenzgang.
Mitgliederversammlung
Die Mitgliederversammlung des Grenzgangsvereins ist ein zentraler Moment im Vorfeld jedes Grenzgangs. Sie findet traditionell im November des Jahres vor dem Fest statt. In dieser Versammlung wird offiziell die Frage gestellt, soll der Grenzgang im kommenden Jahr „nauß gieh“? Diese symbolische Frage ist mehr als nur ein formaler Akt: Sie markiert den feierlichen Auftakt der Vorbereitungszeit und den Beginn eines neuen Grenzgangsjahres.
Diese Versammlung bildet somit den ersten öffentlichen Meilenstein auf dem Weg zum Grenzgang – und bringt die besondere Vorfreude und das Gemeinschaftsgefühl der Stadt zum Ausdruck.
Gründungsaufruf
Im Grenzgangsjahr ruft das Grenzgangskomitee nach Ostern offiziell zur Gründung der Burschenschaften und Männergesellschaften auf. Mit diesem traditionellen Schritt werden die Burschen und Männer öffentlich dazu aufgefordert, sich zu versammeln und ihre Gesellschaften für den bevorstehenden Grenzgang zu gründen bzw. neu zusammenzustellen.
Daraufhin treten Sie in ihren jeweiligen angestammten Lokalen zur Gründungsversammlung zusammen.
Der Gründungsaufruf markiert damit den Beginn der aktiven Phase des Grenzgangsjahres.
Gründungsversammlungen
Nach dem Gründungsaufruf des Komitees treten die Burschenschaften und Männergesellschaften in ihren traditionellen Lokalen zur Gründungsversammlung zusammen.
Zunächst führen noch die Führer des letzten Grenzgangs durch die Gründungsversammlung. In dieser Versammlung wird der Grundstein für die kommende Festgemeinschaft gelegt: Die Gesellschaft stellt sich neu auf, wählt Führer, Schriftführer, Rechner sowie Fahnenträger und Begleiter. Reiter stellen sich zur Verfügung und werden durch die Versammlung bestätigt.
Versammlungen
Von der Gründung bis zum Grenzgang treffen sich die Gesellschaften regelmäßig zu Versammlungen, in denen Organisatorisches mit Geselligkeit verbunden wird.
Die Vorstandsposten werden besetzt, Vorbereitungen getroffen aber auch das Singen von Liedern gehören fest dazu.
Damit die Ausgelassenheit nicht überhandnimmt, hat der Versammlungsleiter das Recht, Literstrafen zu verhängen, die in die Gesellschaftskasse gezahlt werden. Auch er selbst kann „bestraft“ werden. Die humorvolle Form dieser Strafen sorgt regelmäßig für Heiterkeit – manche provozieren sie sogar mit Absicht.
Altherrenabende
Der Altherrenabend ist ein fester Bestandteil der Grenzgangsvorbereitungen und widmet sich ganz der Erinnerung an vergangene Festjahre.
Zu diesen Abenden laden die Burschenschaften ihre ehemaligen Mitglieder ein – also all jene, die in früheren Jahren als Burschen aktiv waren. In geselliger Runde wird bei Getränken und Geschichten auf frühere Grenzgänge zurückgeblickt.
Ein besonderes Highlight ist das Verlesen alter Protokolle, durch das viele gemeinsame Erinnerungen wieder lebendig werden – mal feierlich, mal humorvoll, aber immer mit großer Verbundenheit zur eigenen Gesellschaft und zum Fest.
Die Altherrenabende schlagen eine Brücke zwischen den Generationen und zeigen eindrucksvoll, wie lebendig und verbindend die Grenzgangstradition über viele Jahrzehnte hinweg geblieben ist.
Wahl der Repräsentanten
Die feierliche Gestaltung des Grenzgangs wird maßgeblich von einer Reihe besonderer Persönlichkeiten getragen – den Repräsentanten des Festes. Diese werden im Vorfeld des Grenzgangsjahres durch die jeweiligen Gruppen oder das Grenzgangskomitee gewählt:
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Der Mohr, eine der bekanntesten Symbolfiguren des Grenzgangs, wird durch das Komitee des Grenzgangsvereins bestimmt.
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Die beiden Wettläufer, die traditionell mit Peitschen den Festzug begleiten, werden von den Burschenführern gewählt.
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Auch der Burschenhauptmann, der die Burschenschaften repräsentiert und anführt, wird von den Burschenführern aus den eigenen Reihen bestimmt. Er bestimmt einen Adjutant.
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Der Burschenoberst, der die Burschen anführt, wird gemeinschaftlich von den Burschenreitern und Burschenführern gewählt. Aus den Reihen der Burschenreiter bestimmt er 2 Adjutanten.
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Die Männerführer wählen ebenfalls aus ihrer Mitte den Männerhauptmann, der ihre Gruppe vertritt und den Marsch über die Grenze mit anführt. Auch hier bestimmt er einen Adjutant an seine Seite.
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Der Bürgeroberst wird von den Männerreitern gewählt und durch das Komitee bestätigt. Er ernennt aus der Reihe der Männerreiter 2 Adjutanten.
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Für die Rollen der Sapeure und der Stadtfahnenträger können sich interessierte Bürger bewerben. Über ihre Berufung entscheidet das Komitee.
Diese Wahlen und Ernennungen unterstreichen die enge Einbindung der Bürger in die Grenzgangstradition und sorgen dafür, dass jede Figur mit Verantwortung und Identifikation ausgefüllt wird.
Burschenturniere
Die Burschenturniere sind sportliche und gesellige Veranstaltungen im Vorfeld des Grenzgangs, die meist von den Reitern und Führern des jeweiligen Festjahres organisiert werden.
Ursprünglich ins Leben gerufen, um die Uniformen der Wettläufer zu finanzieren, haben sich die Turniere zu einem festen Bestandteil der Vorbereitung entwickelt.
An einem Sonntag treffen sich die Burschenschaften zu einem Fußballturnier, das nicht nur den sportlichen Ehrgeiz, sondern auch den Zusammenhalt der Gruppen fördert.
Seit einigen Grenzgängen gehört außerdem ein Tauziehen der Burschenschaften zum Programm – ein Wettbewerb mit viel Kraft, Stolz und Stimmung.
Die Veranstaltungen sind bei Teilnehmenden wie Zuschauenden gleichermaßen beliebt – und geben einen unterhaltsamen Vorgeschmack auf das große Fest, das noch kommen wird.
Ausritte der Reiter
An mehreren Sonntagen im Vorfeld treffen sich die Reiter der einzelnen Burschenschaften und Männergesellschaften, um gemeinsam zu reiten und sich auf ihre Aufgaben im Festzug vorzubereiten.
Bei diesen Ausritten werden nicht nur die Fähigkeiten der Teilnehmer erprobt, sondern auch der Umgang mit besonderen Situationen geübt – etwa dem Knallen der Peitschen durch die Wettläufer welches im Festzug eine zentrale Rolle spielt.
Die Ausritte fördern nicht nur Sicherheit und Vertrauen zwischen Reitern und Pferden, sondern auch die Gemeinschaft innerhalb der Gesellschaften.
So verbinden sich bei den Ausritten Tradition, Vorbereitung und die Vorfreude auf das große Ereignis zu einem festen Ritual im Grenzgangsjahr.
Schleifenüberreichungen
Die Schleifenüberreichung ist ein festlicher Höhepunkt für jede Burschenschaft und Männergesellschaft im Vorfeld des Grenzgangs.
Bei diesem feierlichen Anlass erhält jede Gesellschaft eine neue Schleife für ihre Fahne – ein bedeutungsvolles Zeichen für Gemeinschaft und Stolz.
Traditionell sind es die Frauen der Männergesellschaften bzw. die Mädchen der Burschenschaften, die die Schleifen anfertigen. Die Übergabe selbst wird in einem feierlichen Rahmen begangen – mit Musik, Tanz und geselligem Beisammensein.
Die Schleifenüberreichung steht sinnbildlich für das Miteinander der Generationen und Geschlechter – und lässt die Vorfreude auf den Grenzgang spürbar wachsen.
Musikreiten
Das Musikreiten findet wenige Tage vor dem Grenzgang auf dem Festplatz „Bleiche“ statt und ist eine besondere Probe für Reiter und Pferde.
An diesem Tag präsentieren die Reiter ihre Pferde und üben das Zusammenspiel mit Musikkapellen,
Menschenmengen und der typischen Festumgebung. Ziel ist es, die Situation während des Grenzgangs
möglichst realitätsnah nachzustellen, um die Tiere an die besondere Stimmung und das Umfeld zu
gewöhnen.
Der Umgang mit lauter Musik, Peitschenknallen und Zuschauerbewegung wird dabei gezielt trainiert – denn
Sicherheit und Souveränität sind beim großen Festzug entscheidend. Am gleichen Tag findet der offizielle
Fototermin der Uniformträger statt. Erstmalig kann man die Hauptfiguren des Grenzgang in Ihrer Uniform
bestaunen. Daher ist das Musikreiten nicht nur ein wichtiger Vorbereitungsschritt für die Reiter, sondern
auch ein echter Publikumsmagnet, der viele Neugierige und Freunde des Grenzgangs auf die Bleiche lockt.
Kommersabend
Den feierlichen Auftakt zum alle sieben Jahre stattfindenden Heimatfest bildet der Kommersabend – traditionell am Mittwochabendabend vor der ersten Grenzbegehung. In ihren angestammten Lokalen versammeln sich die Burschenschaften und Männergesellschaften, um sich in ausgelassener, heiterer Stimmung auf die bevorstehenden Festtage einzustimmen.Viele ehemalige Biedenköpfer kehren eigens für diesen Abend zurück, um alte Freunde und Weggefährten wiederzusehen. Die eingeladenen Musikkapellen sorgen dabei für den musikalischen Rahmen und lassen die erste festliche Stimmung des Grenzganges aufkommen.
Gegen 22 Uhr endet das offizielle Beisammensein – der Auftakt ist gemacht.
