top of page

Männergesellschaft
Kottenbach-Marktplatz

Ersterwähnung: 1864 | Fahne von 1894

Fahne

Die heutige Männergesellschaft „Kottenbach-Marktplatz“ wurde im Jahr 1864 unter dem Namen „Kottenbach“ erstmals erwähnt. Beim Grenzgang im Jahr 1894 schlossen sich die Bürger vom Kottenbach und Marktplatz zusammen und nannten sich fortan Männergesellschaft „Kottenbach-Marktplatz“.
In echtem Bürgersinn, mit viel Humor, Einigkeit und Zusammengehörigkeit wurden die folgenden Grenzgänge gefeiert.
Für die Fasspartien und Kartoffelbraten wurde gemeinsam mit der 
Männergesellschaft „Thauwinkel/Eschenberg“ der schön gelegene Waldplatz
„Eschenberger Triesch“ genutzt. Nachdem die Schutzhütte auf dem „Eschenberger Triesch“ durch Brandstiftung zerstört worden war, erfolgte in gemeinsamer Handarbeit der Bürger der Männergesellschaften „Thauwinkel/Eschenberg“ und „Kottenbach-Marktplatz“ unter dem Motto „Einigkeit macht stark“ der Wiederaufbau einer neuen, größeren und
schöneren Schutzhütte. Dieses Bauwerk wurde am 15. August 1926 unter reger Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht.
Bei den Bürgern vom „Kottenbach-Marktplatz” kam jedoch der Wunsch nach einem eigenen Gesellschaftsplatz auf. Jahrelang wurde nach einem geeigneten Platz gesucht. Schließlich wählten sie einen alten Köhlerplatz am Rande des
Kottenbachtals (damals bekannt als Trimm-dich-Pfad) für ihren neuen
Gesellschaftsplatz aus. Die Einweihung dieser Anlage fand im Jahr 1959 statt.
Für die musikalische Umrahmung sorgten die „Weifenbacher Musikanten“.
In den folgenden Jahren wurde die Gesellschaftshütte erweitert und der Waldplatz verschönert. Dabei wurde die Gesellschaftshütte verändert, und es entstanden eine Thekenanlage und ein Außengrill. Im Jahr 1974 wurde eine Wasserleitung vom Ludwigsborn zum Gesellschaftsplatz verlegt.
In vielen Steinbrüchen des Hinterlands suchten die Bürger nach geeigneten
halbrunden Basaltsteinen. Um eine Eiche wurde ein schöner Naturbrunnen gebaut, der den Namen „Eichborn“ trägt. Leider steht die Eiche mittlerweile nicht mehr; sie wurde durch einen Sockel aus Basaltsteinen ersetzt. Im Jahre 2013 wurde die Wasserzuleitung vom Ludwigsborn zum Gesellschaftsplatz erneuert. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums im Jahr 2024 wurde der Brunnen in Eigenregie grundlegend saniert. Dieses Jubiläum wurde im Kreis der Männer- und Frauengesellschaft am Gesellschaftsplatz ausgiebig gefeiert.
Während des Grenzgangs im Jahr 1991 wurde der Gesellschaftsplatz um eine
Toilettenanlage mit fließendem Wasser erweitert.
Zu Feierlichkeiten besuchen die Bürgerinnen und Bürger gerne ihren
Gesellschaftsplatz. Eine Vermietung der Anlage ist ebenfalls möglich.
Nach den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs und der Schließung der
„Schlossbrauerei“ wurde der ehemalige Eisteich, der der Schlossbrauerei das
benötigte Eis geliefert hatte, auf Anregung der Männergesellschaft von der Stadt Biedenkopf zu einer Parkanlage mit Sitzgelegenheiten ausgebaut.
Seit mehr als 50 Jahren feiert die Männergesellschaft „Kottenbach-Marktplatz” dort zusammen mit vielen Freunden und Gästen ihr traditionelles „Lampionfest” rund um den Kottenbachteich.
Das Lampionfest findet jährlich am Samstag vor Beginn der großen hessischen
Sommerferien statt. Dabei haben sich im Lauf der Jahre Ausrichtungsrhythmus und -datum geändert. Das 50-jährige Jubiläum des Lampionfestes sollte im Jahr 2021 gefeiert werden, musste aber wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. So wurde das Jubiläum schließlich im Jahr 2022 erstmalig zwei Tage lang mit den Bands „Sound Control” und „Feines Blech” gefeiert.
Am 29. Oktober 1984 feierte die Männergesellschaft „Kottenbach-Marktplatz” mit den Gesellschaften der Stadt, mit Ehrengästen und Freunden im großen Saal des Bürgerhauses einen Festabend zum 100-jährigen Geburtstag der altehrwürdigen Gesellschaftsfahne. Dabei wurde auch eine neue Gesellschaftsfahne in Dienst gestellt.
Bei vielen Grenzgängen kamen angesehene Bürger vom „Kottenbach Marktplatz” zu höchsten Ehren in wichtigen Grenzgangsfunktionen.
So war beim Grenzgang 1907 der Brauereibesitzer der Schlossbrauerei, Otto
Hoffmann, Bürgeroberst. Beim Grenzgang 1970 hatte der Kaufmann Friedrich
Reibert die Funktion des Bürgeroberst inne, und der Polizeibeamte Karlheinz Kunze war Männerhauptmann. Im Grenzgangsjahr 2012 hatte der langjährige Reiter und Männerführer der Gesellschaft, Albrecht Welz, das Amt des Bürgerobersten inne. Der Bürger Albert Grebe, auch bekannt als (Dr.) Stresemann, war Grenzgangsmohr bei den Grenzgängen 1935 und 1950.
Auch unter den Mitgliedern des Grenzgangskommitees finden sich seit 1894 viele Bürger vom „Kottenbach-Marktplatz“: Otto Plitt, Heinrich Hahn, Alwin Jäger, Otto Scheld, Friedrich Reibert und Jürgen Davidis. Von 1950 bis 1963 war Alwin Jäger Vorsitzender des Grenzgangskommitees. Von 1963 bis zu seinem Tod beim Grenzgang 1977 war er dessen „Ehrenvorsitzender“.
Beim Bau des Kriegerdenkmals auf dem Marktplatz und seiner Einweihung im Jahr 1904 beteiligten sich die Männergesellschaft mit einer Spende von 10 Goldmark. Da sich das Pfarramt West an der Kottenbachstraße befindet, hat die dortige Pfarrerin bzw. der dortige Pfarrer das Privileg, am ersten Grenzgangstag als Erste bzw. Erster auf dem Frühstücksplatz unter die Fahne der Männergesellschaft genommen zu werden. Pfarrer Michael Solle trug im Grenzgang 2012 als Fahnenträger voller Stolz die Gesellschaftsfahne über die Grenze.

Im letzten Grenzgang 2019 führten folgende Männerführer die Männergesellschaft über die Grenze:
1. Männerführer: Daniel Graff
2. Männerführer: Ralf Siebott
3. Männerführer: Jens Durlas


Die Männergesellschaft „Kottenbach-Marktplatz“ hofft, dass ihre Mitglieder und neue Freunde noch viele Grenzgänge in echter Grenzgangs-Tradition feiern können. Im Moment steht das Fortbestehen der Männergesellschaft bedauerlicherweise auf der Kippe, da aufgrund von Nachwuchs- und Mitgliedermangel sowie der Überalterung der Mitglieder ein Grenzgang nicht mehr zu stemmen scheint.

Text: Ralf Siebott

Fahne
MG Kottenbach-Marktplatz
MG Kottenbach-Marktplatz
MG Kottenbach-Marktplatz
bottom of page