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Männergesellschaft 
Hewwe on Drewwe da Läh

Ersterwähnung: 1864 | Fahne von 1894

Figuren Grenzgang (7).png

Das Grenzgangsfest wird in Biedenkopf bereits seit mehreren Jahrhunderten begangen. Seine Ursprünge reichen bis ins ins Jahr 1693 zurück, als mehr oder weniger regelmäßige Grenzbegehungen der Sicherung des städtischen Waldeigentums dienten. Mit den Absteinungen der Stadtwaldgrenzen in den Jahren 1777, 1780 und 1824 verloren diese Begehungen jedoch ihren amtlichen Charakter. Aus einem alten Rechtsbrauch entwickelte sich im Laufe der Zeit ein lebendiges Heimatfest. Ob die Straßengesellschaften die Grenzgangsfeste zwischen 1839 und 1864 mitorganisierten, ist nicht bekannt. Erst im Jahr 1872 lässt sich nachweisen, dass sich erstmals Gruppen nach ihren Wohngebieten zu sogenannten Gesellschaften zusammenschlossen. Die Burschenschaften orientierten sich hierbei an ihren Stammlokalen. Protokolle der heutigen Grenzgangsgesellschaft „Hewwe on drewwe da Läh“ sind erst ab dem Grenzgangsjahr 1900 überliefert. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Gesellschaft spätestens 1886 gegründet wurde, da aus diesem Jahr die erste Fahne stammt. Aus deren Inschrift „Bachgrundstraße – Bahnhofstraße“ lässt sich erkennen, dass zu diesem Zeitpunkt noch niemand an eine Aufteilung „drewwe da Läh“ oder „hewwe da Läh“ dachte („drüben der Lahn“ bzw. „hüben/ diesseits der Lahn“). Bereits 1900 verfügte die Gesellschaft über einen Waldplatz am Richbach, der sogenannten „Kalten Lokomotive“, unweit des heutigen Gesellschaftswaldplatzes, allerdings noch ohne Schutzhütte. Die in der Bachgrundstraße gelegene Gastwirtschaft Herrmann Jäger (ehemals „Zum Rathaus“) beherbergte zu dieser Zeit eine mittlerweile aufgelöste Burschenschaft, deren Fahne sich bis heute im Besitz der Gesellschaft befindet. Im Jahr 1907 trug die Gesellschaft noch den Namen „Bachgrundstraße und Bahnhofstraße“, doch hatten sich bereits erste Bürger von „drewwe da Läh“ angeschlossen. Im Jahr 1914 versammelten sich erstmals auch Bürger der Urbann- und Lindenstraße zur Gründungsversammlung. Insgesamt nahmen 30 Bürger teil. Die Vorbereitungen für das geplante Grenzgangsfest wurden jedoch durch die politischen Ereignisse des Ersten Weltkriegs zunichtegemacht. Nach 21-jähriger Unterbrechung fand 1928 wieder ein Grenzgangsfest statt. Hier folgten 70 Bürger der Fahne der Gesellschaft „Bachgrundstraße und Bahnhofstraße“. Der Gesellschaft schlossen sich nun auch Bewohner der inzwischen entstandenen Pfingstweidstraße an. Sachsenhausen hatte sich damit zu einem eigenen Stadtteil entwickelt. Man beschloss jedoch, weiterhin als eine gemeinsame Gesellschaft am Grenzgang teilzunehmen. Die ursprüngliche Fahne wurde beibehalten, da eine spätere Teilung der Gesellschaft nicht ausgeschlossen wurde. Ergänzend zur Schleife der Frauen wurde jedoch eine neue Schleife mit der Aufschrift „Bachgrundstraße – Hewwe on drewwe da Läh“ angebracht. Für die Festlichkeiten wurde 1928 der „Lebhaftsplatz“ mit der „Sophienhütte“ am Altenberg genutzt. Im Grenzgangsjahr 1935 dachte die Männergesellschaft nicht mehr an eine Trennung und trat fortan unter dem Namen „Bachgrundstraße – Hewwe on drewwe da Läh“ auf. Erst 1950 konnte – nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs – wieder ein Grenzgang stattfinden, an dem 147 Bürger von „Hewwe on drewwe da Läh“ teilnahmen. Die Veranstaltungen nach dem Fest wurden an der Schutzhütte im Trabbach, dem heutigen Wassertretbecken im Martinsbachtal, abgehalten. Um den traditionellen Siebenjahresrhythmus wiederherzustellen, wurde das nächste Fest 1956 gefeiert. Nach dem Grenzgangsfest begann die Gesellschaft in Eigenleistung mit dem Bau einer Schutzhütte auf dem noch heute genutzten Waldplatz „Röhrs Gründchen“. Dieser Bau wurde 1970 in zahlreichen Arbeitsstunden um einen Waldpavillon mit offenem Kamin und rustikaler Theke erweitert. Nach dessen Abriss entstand 1978 die Schutzhütte in ihrer bis heute bestehenden Grundform. Auch zwischen den Grenzgangsfesten ist bei „Hewwe on drewwe da Läh“ das Gemeinschaftsleben lebendig – meist gemeinsam mit den Frauen der Gesellschaft. Ob Wanderungen an Fronleichnam, Bratpartien für die ganze Familie oder gesellige Feuerzangenbowlen: Zusammenhalt und Geselligkeit stehen stets im Mittelpunkt. Symbolisch dafür steht die im Jahr 1904 erbaute Lindenhofbrücke, die hüben und drüben der Lahn verbindet und regelmäßig mit einem eigenen Fest geehrt wird. Gäste und Interessierte sind jederzeit bei „Hewwe on drewwe da Läh“ herzlich willkommen – unabhängig von Herkunft oder Wohnort.

Text: Ulrich Gaschler

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