Männergesellschaft
Galgenberg
Ersterwähnung: 1872 | Fahne von 1872

Aus dem Jahr 1872, übrigens das Gründungsjahr der leider nicht mehr bestehenden Brauerei Balbach, stammt das erste vorliegende Protokoll der Männergesellschaft Galgenberg. Da nämlich wurde der Maler Kort Vogt mit zwei Thalern und 18 Kreuzern für die Bemalung und Beschriftung der Fahne bezahlt. Zu dieser Zeit gehörten der Gesellschaft 50 Männer an.
In der ersten Versammlung des Grenzgangs 1886 am 7. Juli im Gasthaus Georg Schmidt IV. wurden Georg Christoph Brühl zum 1. und Jacob Unverzagt zum 2. Führer gewählt. Außerdem wurden den Fahnenträgern vier neue Schärpen ausgehändigt. Mit jeweils 50 Pfennig pro Tag wurde jeder von Ihnen für den beschwerlichen Gang mit der Fahne über die Grenze belohnt.
Wenn man den Bierpreis von damals hört, könnte man auf die Bürger und Burschen glatt neidisch werden: 1 Liter Bier kostete damals 25 Pfennig! 1893 sollte der nächste Grenzgang stattfinden. Er wurde aber wegen Dürre und daraus resultierenden schlechten Ernte auf das folgende Jahr verschoben. Dann war wieder der 7. Juli, der Tag der ersten Versammlung. Georg Christian Brühl wurde erneut als 1. Führer der Gesellschaft gewählt. Der 2. Führer wurde Wilhelm Kaufmann. Selbst zu dieser Zeit gab es schon die berühmten Strafen, vor denen sich heute noch Bürger und Buschen gleichermaßen fürchten. Fünf Bürger wurden mit jeweils 10 Litern Freibier für die Gesellschaft bestraft. Im Laufe der Versammlung wurde auch beschlossen, dass der 1. Führer für alle Utensilien der Männer verantwortlich sei: Er müsse alles bis zum nächsten Grenzgang aufbewahren und dies dann an den folgenden 1. Führer weitergeben. An Einnahmen verbuchte man 149 Mark und 63 Pfennig, die Ausgaben schlugen mit 149 Mark und 66 Pfennig zu Buche. Zwei Pfennig wurden als Spende verbucht. Man Schloss das Grenzgangsjahr mit einem Pfennig Verlust ab.
Beim nächsten Grenzgang in 1900 – Gründungsdatum war – wie sollte es auch sonst sein – wieder der 7. Juli, wählte man im Gasthaus Heck August Heinzerling zum 1. Und Louis Kraft zum 2. Führer. Die nächste Versammlung hielt man in der Gaststätte Louis Unkel ab. Wie daraus zu erkennen ist, hatte man in der damaligen Zeit kein sogenanntes „Stammlokal“, sondern man pendelte immer zwischen den drei Gasthöfen Schmidt, Heck und Unkel. An Spenden hat die Gesellschaft 5 Mark für den Grenzgangsverein und 20 Mark für das Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz aufgeführt.
1907 wurde die Schleife für die Fahne von den Frauen gestiftet. Als „Dank“ dafür durften sie, wie die Kinder und Mädchen andere Gesellschaften auch, vor dem eigentlichen Festzug am Nachmittag losmarschieren. Der Grenzgang war damals noch eine reine Männerangelegenheit. Angeführt wurden die Galgenberger von Wilhelm Kaufmann und Georg – Friedrich Hosch. Der Galgenberger Fahne folgte ab dieser Zeit auch eine weitere Fahne der Straße. Aus den Reihen der jungen Männer gründete sich die Burschenschaft Galgenberg.
Durch die Kriegswirren fand der nächste Grenzgang erst wieder im Jahr 1928 statt, wo Heinrich Kinkel und Philipp Unverzagt an der Spitze standen. In diesem Jahr erbauten Männer und Burschen das Hüttchen auf dem Frauenberg (älteste erhaltene Hütte), welche bis heute der Waldplatz vom Galgenberg ist. Bis 1907 wich man immer auf die Plätze am Knochentriesch sowie der Lippershard aus. Am 25. August 1844 wurde der Waldbratplatz am Frauenberg als „erste öffentliche Waldanlage in Biedenkopf“ mit großem Fest freigegeben.
Der nächste Grenzgang fand 1935 statt. Die Männer wählen Willi Döll zu Ihrem 1. Führer, 2. Führer wurde Emil Müller. Zum Männeroberst wurde Carl Weigel gewählt. Zum ersten Mal ging ein solch hohes Amt an einen Galgenberger. Mit 59 Mitgliedern wurde bis dahin höchste Stärke erreicht. Wieder musste der Grenzgang dem Krieg weichen. Als er 1949 raus gehen sollte, musste er wegen Knappheit der Mittel wieder um ein Jahr verschoben werden. Peter Mundermann wurde zum 1. und Burkhard Reif zum 2. Führer gewählt. 1956 gehörten 52 Männer der Gesellschaft an. Sie ernannten Paul Fischer zum 1. und Erich Dalwigk zum 2. Führer. Adam Till und Karl Heinz Gries führten die 57 Mitglieder der Männergesellschaft 1963 über die Grenze. Unter der Führung dieses Grenzgangs wurde 1969 auf dem Frauenberg eine neue Hütte gebaut. Diese Hütte wird von den Bürgern für deren Festlichkeiten gerne genutzt. Mit 79 Männern durften beim Grenzgang 1970 zum ersten Mal drei Führer gestellt werden, nämlich Ludwig Runkel, Erwin Weber und Kurt Achenbach. Diese Führerschaft war damals verantwortlich für die Anschaffung einer neuen Fahne. Die Strapazen der vorangegangenen Grenzgänge hatten der alten Dame, wie die Fahne auch heute noch liebevoll von den Bürgern der Hainstraße genannt wird, und deren Fahne die letzte ursprüngliche Fahne in Biedenkopf ist, stark zugesetzt. Der Bürger Volkert Enninga schneiderte diese in Anlehnung an die alte Fahne und stiftete sie der Männergesellschaft Galgenberg. Seither führt diese Fahne die Gesellschaft über die Grenze. Die alte Fahne wurde ebenfalls von Volkert Enninga restauriert und dem Schloss zur Ausstellungszwecken zur Verfügung gestellt. Dort kann man sie noch heute bewundern. Im Grenzgang 1977 kam man auf 75 Mitglieder, die wiederholt vom 1. Führer Ludwig Runkel sowie von Gottfried Pfeil und Herrmann Relecker sicher über die Grenze geführt wurden.
1984 hatten Erwin Weber, Herrmann Relecker und Emil Müller die Fäden in der Hand. Beim Grenzgang 1991 lenkten Dieter Angersbach an der Spitze sowie Roland Bahmer und Günther Backus die Geschicke der Männergesellschaft Galgenberg. Im Grenzgang 1998 kam dann auch zum ersten einzigen Mal der Mohr vom Galgenberg. Helmut Böhle der inzwischen am unteren Galgenberg beheimatet war, machte seine Sache prima. Nach dem Grenzgang wurde sein Bart für 1000 Mark ersteigert. Das Geld kam einem wohltätigen Zweck zugute. Die Führung hatten zu dieser Zeit Roland Bahmer, Lars Kreimeyer und Martin Künkel. Diese drei führten auch im Grenzgang 2005 die Bürger über die Grenze. Da die Mitgliederzahlen auf historische 105 Mann herangewachsen waren, konnte man zum ersten Mal einen 4. Führer am Galgenberg stellen. Jörg Kipper übernahm schließlich dieses Amt.
2012 als 1. Führer führte er mit Lars Kreimeyer und Steven Burk die Galgenberger an. Ab dem Grenzgang 2019 dürfen sich Stefan Moser als 1. Führer, Thomas Kraft als 2. und Dirk Fleischmann als 3. Führer zur Geschichte des Grenzgangs des Galgenberges dazuzählen. Reiter waren im Grenzgangsjahr 2019 Steven und sein Sohn Phil Burk. So soll uns unsere Fahne auch bei zukünftigen Gränzgängen über die Gemarkungen leiten und auf den Frühstücksplätzen den Sammelpunkt markieren, uns einigen in Freundschaft und Frieden zum Grenzgangsfest.
Text: Stefan Moser


