Burschenschaft
Billerbach
Ersterwähnung: 1955 | Fahne von 1956
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Unter der Fahne der Burschenschaft Billerbach sind seit dem Grenzgang 1956 ununterbrochen an zehn Grenzgängen Burschen und Mädchen über die Biedenkopfer Grenze gegangen. In der 300jährigen Geschichte des Grenzganges füllt die Burschenschaft damit zwar einen kleineren historischen Rahmen aus, jedoch kann sie im Jahr 2025 bereits ihr 70jähriges Bestehen feiern und stolz auf eine bewegte Zeit zurückblicken.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges setzte auch in Biedenkopf ein Zuzug heimatvertriebener Menschen in großer Zahl ein. Als Folge des Ansteigens der Einwohnerzahlen wurde die Bebauung des Tales um die Freiherr-vom-Stein-Straße, den Frauenberg und den Leiseköppel bis hin zum Fuße des Staffelberges vorangetrieben. Bereits 1954 schlossen sich die Bürger des neuen Stadtteiles zur Männergesellschaft „Im schönen Wiesengrund" zusammen.
Bürger Hans Dalwigk, der zugleich Betreiber einer Gastwirtschaft war, regte mit sicherlich nicht nur uneigennützigen Gedanken auch die Gründung einer Burschenschaft an.
Am 13. August 1955 war es dann soweit: In der Gaststätte Dalwigk versammelten sich 24 Burschen zur Gründung einer Burschenschaft.
Der erste gewählte Vorstand bestand aus Karl-Josef Mayer als Führer, Hans Althaus als Schriftführer, dem Rechner Karl-Heinz Nedele und dem Kassierer Gerhard Pöttner.
Die erste Amtshandlung bestand darin, einen Namen für die junge Burschenschaft zu finden. Nach den Vorschlägen „Im kühlen Grund" und „Leiseköppel" wurde sich auf den Vorschlag des Burschen Adolf Niederhöfer geeinigt: „Billerbach". Monatliche Treffen und die Einführung eines Grußes „Biller“ – Antwort „Bach“ wurden beschlossen. Bereits am 17. August 1955 endete die Amtszeit von Führer Mayer, der laut Protokoll „in die Männergesellschaft übertreten musste." Karl-Heinz Redante wurde sein Nachfolger.
Bevor der Grenzgang im Jahr 1956 mit erstmaliger Beteiligung der Billerbach „naus“ ging, musste natürlich noch eine Fahne angeschafft werden.
Nach einem Entwurf von Hans Schäfer machte man sich ans Werk. Um Kosten zu sparen, wurde die Fahne zum allergrößten Teil in Eigenarbeit hergestellt und stellt daher eine „echte“ Billerbächer Fahne dar, die auch gerade aufgrund dieser Bedeutung gehegt und gepflegt wird.
Passend zum 70jährigen Jubiläum bekommt diese noch Zuwachs von einer weiteren Fahne, welche eigens durch den Jungburschen Erik Jäger entworfen wurde. Eine Anekdote des 1963er Grenzganges, dessen Versammlungen teilweise noch im „Grenzgangsraum“ der Gaststätte Müller stattfanden, ist sicherlich allen Beteiligten noch in guter Erinnerung:
Aufgrund einer Wette verdrückte der Bursche de Buhr 18 Koteletts mit Kartoffelsalat, während sein Kontrahent, der Bursche Frey, bereits nach 16 Portionen die Segel streichen musste. Mittlerweile überaus grenzgangserfahren gingen die Burschen 1970 erstmals mit drei Führern über die Grenze.
1977 gewannen sie gegen die Oberstadt mit 6:5 i. E. den begehrten Fußballpokal der Burschenschaften und stellten erstmals einen Grenzgangsoffiziellen: Wettläufer Helmut Kunkel. Spätestens jetzt waren die Billerbächer aus dem Grenzgangsleben nicht mehr wegzudenken. 1980 feierten sie unter Zuhilfenahme von 1.300 Litern Balbach-Bieres ihr 25-jähriges Bestehen.
Nachdem 1984 bereits 90 Billerbächer Burschen über die Grenze gingen, stieg die Anzahl von Burschen und Madcher von dort an kontinuierlich von Jahr zu Jahr. Dies ist natürlich der besonderen Gemeinschaft in der Burschenschaft, aber auch dem guten Verhältnis zu der Männergesellschaft zu verdanken.
Selbstverständlich wäre die Gesellschaft noch nicht halb so viel wert, wenn sie nicht wären: Die Billerbächer Madcher. Im Grenzgangsjahr immer voll motiviert und extrem feierwillig, bereicherten sie nicht nur so manche Versammlung. Die traditionell überschäumende Begeisterung ließ die Zahl der Billerbächer Madcher ständig ansteigen und übertraf sogar zeitweise die Menge an Burschen. Dies gipfelte bei so mancher Feier auch in besonderen Leistungen der Burschen und Madcher, was ab 2005 mit der Auszeichnung „VBB“ („Völlig Bebieter Billerbächer“) gewürdigt wurde. Im Jahre 2012 brachten die Burschen den allseits beliebten „Bie-Turbo“ heraus, welcher das erste Gebläß (1 Liter Bier) in stolzen 11,5 Sekunden verbrauchte.
Mit besonderem Stolz blicken wir auch auf eine Anzahl an Offiziellen aus den eigenen Reihen zurück, so sind beispielsweise der Hauptmann Jörg Nassauer (1998) oder die Wettläufer Helmut Kunkel (1977), Steffen Roemer (2019) und Andy Bodenbender (2005) zu nennen, wobei letzterer auch als Adjutant in 2012 tätig war.
Auch sportlich ist die Burschenschaft Billerbach immer eine besondere Adresse. So konnte man seit der „satten Tonne“ in 2005 das traditionelle Tauziehen dreimal in Folge gewinnen, und auch bei den Fußballturnieren konnte man sich sehen lassen. Was der Burschenschaft Billerbach im Jahr 2012 & 2019 das Double mit den Siegen im Tauziehen und Burschen-Fußballturnier bescherte.
Neben dem Evergreen „Grenzgangsfieber“ gesellte sich für die Feierlichkeiten in 2019 noch ein weiterer Billerbach-Song hinzu:
„Billerbach, für immer Billerbach“, welcher eigens durch Sarah Stark und Dominik Weimann vom Malle-Song „Inselkind“ für die Billerbach umgedichtet wurde. Auch zwischen den Grenzgängen ist einiges los.
Zu den Aktivitäten außerhalb des Grenzganges gehört das traditionelle Maibauaufstellen mit anschließendem Tanz in den Mai.
Alljährlich finden darüber hinaus Kartoffelbraten, Winterwanderung und Tagesfahrten, so zum Beispiel auf das Kloster Kreuzberg, zum Weinfest in Bacharach, nach Sachsenhausen, zum Herborner Wiesnfest usw. statt.
Legendäre Mehrtagesfahrten unternahmen sie unter anderem auch auf Einladung einer Grenzgangskapelle nach Ardning.


